Aus meiner Feder

Verschiedene Texte von mir sind schon veröffentlicht worden, andere wiederum nicht. Aber vielleicht werden sie es noch. Ich bitte das Copyright zu beachten. 

Wirrungen Gedanken

Irrungen - Gedanken des Missbrauchs

(Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes – Ausgewählte Werke II – erschienen 1999)

Ein Gedanke in mir
er setzt sich fest – Schwingungen

ihre Bilder
geben andere Signale – Täuschungen

falsche Projektoren
verdecken offene Taten – Windungen

mein Hirn hält
den Mund stumm – Täubungen

mein Herz weint
da der Verstand brennt – Wirrungen

mein Auge sieht
Hände wie gelähmt – Wandlungen

meine Seele ruft
den Verstand jetzt wach – Mutungen

Nein, ein Wort
nur ein Wort – Haltungen

jetzt nicht
bleib doch – Stummungen

Ich will nicht
sag’s doch – Weigungen               “N E I N”

Trendsetting

Sie finden Krieg schrecklich? Ja warum?
Sind es die Waffen die Sie abschrecken? Aber Kriege werden doch mit Waffen geführt. Was schreckt Sie denn ab? Waffen sind doch ästhetisch. Die Pistole, eine einfache kleine Waffe. Sie ist leicht, glatt und liegt gut in der Hand und der Abzug reagiert auf den kleinsten Druck.
Sie schütteln den Kopf? Warum es gibt einen ganzen Industriezweig, der davon lebt. Waffenindustrie, noch nie gehört? Export und Import in alle Länder, ist doch bekannt. Nicht nur die kleinen Pistolen, nein, auch größere Handfeuerwaffen, Granatwerfer und mehr. Jetzt lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Wie viele Maschinengewehre und Panzer von uns verschickt werden, ist auch egal. offiziell oder inoffiziell, auf jeden Fall ist es lukrativ. Wer weiß, ob nicht die Großen hier und da einen kleinen Krieg anzetteln, um der Wirtschaft einen kleinen Schwung zu geben.

Ich find’s gut, die Waffen werden an jeden verkauft. Sie sollten sich mal die Versandmagazine ansehen, in denen alles an Waffen angeboten wird. Hier, sehen Sie, Männerkörper in Uniformen, das Gesicht getarnt und was da steht: “Freude und Wildheit im Blick zeigen die Faszination der Produkte”. Glauben Sie nicht? Ist aber so. Sehen Sie hin. Sie können die Waffen bestellen. Fragen Sie Ihren Nachbarn, der hat mit Sicherheit ‘ne Knarre im Nachtschrank.
Haben Sie noch nie eine Waffe in der Hand gehabt? Dieses Gefühl, das durch die Handinnenfläche über den Arm bis durch den ganzen Körper wandert: phantastisch. Sofort ist das Rückgrat gerade.
Glauben Sie etwa, daß ein Soldat, im Krieg versteht sich, beim zweitenmal zögert? Ist wie Autofahren lernen, erst ist man nervös, doch kann man es erst einmal, fährt man immer rasanter. Wenn so viele Skrupel hätten, gäbe es doch nicht so viele Terroristen, Söldner, Heckenschützen.
Ist doch so wenn der Krieg weit weg ist, schütteln wir die Köpfe, “oh wie schrecklich ist das doch alles”, wenn wir mittendrin wären, ginge uns auch der Arsch auf Grundeis und wir würden uns verteidigen. Machen doch alle. Sagst du was anderes als die Anderen, hast du sowieso keine Chance. Die erschießen dich. Im Prinzip ist doch egal, wo Krieg ist, solange er nicht bei uns ist, oder? Ist ja auch noch nicht so oft vorgekommen, daß gerade bei uns Krieg ist. Der letzte ist auch schon 50 Jahre her. Besteht doch gar keine Gefahr. Und diese Atombomben, wahnsinnig, echt toll. Die Macht, Millionen von Menschen in die Knie zu zwingen.

 

Hauswand Weltfrieden
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Und sehen Sie doch mal die Benetton-Plakate an. Eine Uniform mit Einschußlöchern, blutverschmiert. Die Bilder erregen Aufsehen, so was kommt an. Alle reden darüber. Da haben Designer ihre klugen Köpfe zerbrochen, um Ihnen die Kriege näher zu bringen. Ist das nicht ‘ne Wucht?
Und dann, was noch viel besser ist, die Kriegsberichterstattung. Da verblaßt doch jeder Krimi. Zur besten Sendezeit. Bringt Einschaltquoten, oder schalten Sie da etwa ab? Das Kriegsgeschäft es blüht, warum tun wir dann so, als wäre es etwas schreckliches? Mensch, seien wir Trendsetter. Gehen wir mit der Zeit!

(erschienen 1998 als Satire in der Anthologie “…ohne Ende…” © Andrea Sundermann)

Bei uns und ganz weit weg!

“Essen wir Püree oder Salzkartoffeln zum Spinat?” – “Ist mir egal. Püree mögen die Kinder aber lieber.” – “Dann mach’ ich Püree.” – “Wo sind die Kinder?” – “Im Spielzimmer.” – “Dann mache ich den Fernseher an. Ich möchte die Nachrichten sehen.” – “Wenn du das Spielzeugauto fertig hast, kannst du dann den Müll rausbringen?” – “Ja.” – “Oh mein Gott, schau mal das Kind ist mit Sicherheit nicht älter als unser Großer.” – “Das ist Wahnsinn.” – “Schalt um! Hallo mein Süßer, was spielst du schönes?” – “Mama, ich hab’ Hunger. … Ist der Mann da tot?” – “Nein, er ist verletzt.” – “Warum? – “Dort ist Krieg.” – “Warum?” – “Na ja, die Menschen dort streiten sich um Orte, die sie haben möchten.” – “Warum?” – “Weil jeder mehr haben möchte.” – “Warum?” – “Die Menschen dort verstehen sich nicht mehr.” – “Kommen die da schießen auch zu uns?” – “Nein, nein, ganz bestimmt nicht. Du brauchst keine Angst zu haben.” – “Sind die weit weg?” – “Ja, ganz weit.”

(erschienen 1998 in der Anthologie “…ohne Ende…” – © Andrea Sundermann)

           Andrea Sundermann; Die Texte auf dieser Seite stammen alle aus meiner Feder. Sie sind von mir, werden laufend ergänzt und wurden nirgends abgeschrieben. 

Da sein
Zuhören
Sich öffnen
Eintauchen
Berühren lassen
Abgeben
Vertrauen
Aufnehmen
Spüren
Ganz und Gar lieben

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Begegnung/Beziehung

ER ruft! – ich gehe hin.
ER spricht! – ich höre zu.
ER gibt! – ich nehme an.
ER liebt! – ich danke.
ER segnet! – ich bete.
ER ist da! – ich liebe.
ER vergibt! – ich bekenne.

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Christus in uns

Der Christ lebt, weil er nicht allein ist.
Der Christ liebt, weil er auch geliebt wird.
Der Christ gibt, weil er beschenkt wird.

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Gottes Kinder sind die Wasserbecken der Erde.
Sie quellen über, aber verlieren nichts.

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Frieden ist ein Vogel, der getragen durch die Luft
langsam gleitend seine Laute mir entgegen ruft.

Frieden ist ein Hund, der freudig wedelnd rennt
mir entgegen in die Arme, da er mich erkennt.

Frieden ist eine Mutter, die ihre Wärme gibt,
dir ihr Kind mehr auf der Welt als sich selbst liebt.

Frieden ist ein Gefühl, das jeder mit sich trägt
und so durch das eigene Herz für andere schlägt.

Und er sah, es war gut.

Können wir das auch sagen? Können wir unser Werk auch als gut befinden? Wer sagt uns, wann es gut ist und wann nicht? Die Kirche, die Gesellschaft, die Nachbarn, die Familie oder nur wir selbst? Wird uns das Erkennen schon in der Erziehung mitgegeben? Maßstäbe werden angenommen oder abgelehnt, ergänzt oder umgeschrieben, doch leben können nur wir selber, niemand kann es uns abnehmen.
Wir sind für uns selbst verantwortlich und nur am Ende einer Tat können wir auf Grund dessen was folgt erkennen ob es gut war oder nicht.
Vielleicht sind die Sterne am Ende des Himmels, nur das was wir sehen!

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Irene Mucke und ihr Freund Ben Dinkel sind neu in der Stadt. Ihre Wohnung liegt etwas außerhalb in einem Neubaugebiet. Die Straßen sind noch nicht geteert und gepflasterte Gehwege gibt es auch nicht. von circa 20 neuen Häusern, sind erst drei bewohnt. Bis in die Stadt sind es zu Fuß ungefähr 20 Minuten. Zwischen der Stadt und dem Neubaugebiet liegt eine Kneipe. Eine Vorortkneipe mit dunklen Fenstern, Glühbirnen mit höchstens 40 Watt und einem Geruch von Bierresten, die unter dem Thekenblech schimmeln und alter Toiletten mit Erdbeer-WC-Stein. Seit dem der Bau mit den neuen Häusern gut voranging kamen mehr Gäste und Alois und Elisabeth Schriebenberg, das Wirteehepaar, verlängerten die Öffnungszeiten.
Es war ein Zufall, dass von dem Tag an, als Irene und Ben einzogen, die Kneipe länger geöffnet hatte. Nachdem sie ihre Möbel in der Wohnung hatten und ihre Helfer schon weg waren, stellten sie fest, dass sie nichts zu essen und zu trinken mehr hatten. Sie gingen in die Kneipe von Schriebenbergs.
Beim Eintreten wurden sie von acht Männern begafft und die Wirtin begrüßte sie mit einem rauchigen “n’Abend”. Irene ging auf den Tisch links neben der Tür zu, berührte erst mit der rechten Hand den Tisch und mit der linken die Bank, um zu testen, ob es klebrig oder sauber ist. Dann setzte sie sich. Ben ging gerade aus zur Theke und bestellt zwei Bier. Dann setzte er sich zu Irene. Beide schauten sich etwas um und ihre Blicke trafen sich mit denen der noch immer gaffenden Männern.
Ein bärtiger Mann mit Brille zieht seine Augenbrauen hoch als Irene ihn ansah. Irene schüttelte sich unbemerkt während sie zurück auf ihr Bier sah. Auch Ben fühlte sich unwohl und trank von seinem Bier. Irene und Ben passten nicht in diese Umgebung. Ein junges Paar, sehr gepflegt und gut aussehend, gehört nicht in schummrige Kneipen.

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Nimm einen Stein in die Hand und du gehörst zu ihnen !
Dir gegenüber auch Menschen, halten das Wasser dagegen!

Steine, Menschen, Wasser alles natürlich, nichts künstliches somit eint der Kampf.
Ein Schauspiel.

Die aufrührerische Gesellschaft hält nichts von der Bibel
und dennoch…

Der Stein, die älteste Mordwaffe der christlichen Geschichte.
Kain erschlug mit einem Stein seinen Bruder Abel.
Das Wasser, das älteste Heilmittel in der Bibel.

Um zu verletzen benötigen wir etwas härteres als uns,
um zu heilen etwas weicheres.

Es ist von der Natur gegeben, dass wir uns mit Steinen bewerfen
und mit Wasser die Wunden waschen?

Hätte Gott gewusst, dass wir uns fortlaufend seit unserer Erschaffung
mit Steinen bewerfen, wären wir mit Sicherheit Fische geworden.

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Wie ein schlechtes Kaugummi klebt es am Kinn,
macht nach kurzen Überlegungen keinen Sinn,
weder das Schlechte noch das Kleben,
wir sollten nach Besserem streben.

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Die Entscheidung

Vor der Entscheidung
steht die Vergangenheit,
danach die Zukunft.
Die Vergangenheit bringt
Erfahrung,
die Zukunft Neues.
Dazwischen stehen wir mit der
Entscheidung.
Wir sehen zurück,
wir sehen nach vorn,
sind hin- und hergerissen.
Doch wo würden wir stehen,
wenn wir nur zurückschauen?
(A.Sundermann ©2006)