Trendsetting

Sie finden Krieg schrecklich? Ja warum?
Sind es die Waffen die Sie abschrecken? Aber Kriege werden doch mit Waffen geführt. Was schreckt Sie denn ab? Waffen sind doch ästhetisch. Die Pistole, eine einfache kleine Waffe. Sie ist leicht, glatt und liegt gut in der Hand und der Abzug reagiert auf den kleinsten Druck.
Sie schütteln den Kopf? Warum es gibt einen ganzen Industriezweig, der davon lebt. Waffenindustrie, noch nie gehört? Export und Import in alle Länder, ist doch bekannt. Nicht nur die kleinen Pistolen, nein, auch größere Handfeuerwaffen, Granatwerfer und mehr. Jetzt lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Wie viele Maschinengewehre und Panzer von uns verschickt werden, ist auch egal. offiziell oder inoffiziell, auf jeden Fall ist es lukrativ. Wer weiß, ob nicht die Großen hier und da einen kleinen Krieg anzetteln, um der Wirtschaft einen kleinen Schwung zu geben.

Ich find’s gut, die Waffen werden an jeden verkauft. Sie sollten sich mal die Versandmagazine ansehen, in denen alles an Waffen angeboten wird. Hier, sehen Sie, Männerkörper in Uniformen, das Gesicht getarnt und was da steht: “Freude und Wildheit im Blick zeigen die Faszination der Produkte”. Glauben Sie nicht? Ist aber so. Sehen Sie hin. Sie können die Waffen bestellen. Fragen Sie Ihren Nachbarn, der hat mit Sicherheit ‘ne Knarre im Nachtschrank.
Haben Sie noch nie eine Waffe in der Hand gehabt? Dieses Gefühl, das durch die Handinnenfläche über den Arm bis durch den ganzen Körper wandert: phantastisch. Sofort ist das Rückgrat gerade.
Glauben Sie etwa, daß ein Soldat, im Krieg versteht sich, beim zweitenmal zögert? Ist wie Autofahren lernen, erst ist man nervös, doch kann man es erst einmal, fährt man immer rasanter. Wenn so viele Skrupel hätten, gäbe es doch nicht so viele Terroristen, Söldner, Heckenschützen.
Ist doch so wenn der Krieg weit weg ist, schütteln wir die Köpfe, “oh wie schrecklich ist das doch alles”, wenn wir mittendrin wären, ginge uns auch der Arsch auf Grundeis und wir würden uns verteidigen. Machen doch alle. Sagst du was anderes als die Anderen, hast du sowieso keine Chance. Die erschießen dich. Im Prinzip ist doch egal, wo Krieg ist, solange er nicht bei uns ist, oder? Ist ja auch noch nicht so oft vorgekommen, daß gerade bei uns Krieg ist. Der letzte ist auch schon 50 Jahre her. Besteht doch gar keine Gefahr. Und diese Atombomben, wahnsinnig, echt toll. Die Macht, Millionen von Menschen in die Knie zu zwingen.

Und sehen Sie doch mal die Benetton-Plakate an. Eine Uniform mit Einschußlöchern, blutverschmiert. Die Bilder erregen Aufsehen, so was kommt an. Alle reden darüber. Da haben Designer ihre klugen Köpfe zerbrochen, um Ihnen die Kriege näher zu bringen. Ist das nicht ‘ne Wucht?
Und dann, was noch viel besser ist, die Kriegsberichterstattung. Da verblaßt doch jeder Krimi. Zur besten Sendezeit. Bringt Einschaltquoten, oder schalten Sie da etwa ab? Das Kriegsgeschäft es blüht, warum tun wir dann so, als wäre es etwas schreckliches? Mensch, seien wir Trendsetter. Gehen wir mit der Zeit!

(erschienen 1998 als Satire in der Anthologie “…ohne Ende…” © Andrea Sundermann)

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